„Du kannst nicht alles haben“ … und so schaffst Du’s doch.

„Du kannst nicht alles haben.“ Kennst Du diesen Satz?

Gerade gestern habe ich mit meiner Freundin da drüber diskutiert. Sie hat diesen Satz fallen lassen. Ganz nebenbei. Ganz sachte. Und mir ist fast die Hutschnur hoch gegangen.

Warum?

Weil mir bewusst wurde, wie sehr wir, ich auch, noch in diesem Irrtum stecken. Wie sehr wir noch glauben: „Du kannst nicht alles haben“. Dieser perfide Irrtum, der uns schon von Kindesbeinen an eingetrichtert wird. So lange, bis wir ihn glauben. Ihn für uns als Wahrheit akzeptieren.

„Du kannst nicht alles haben“ von Maoam und Ü-Ei

Ich denke da zum Beispiel an die Szene im Supermarkt, die ich letztens beobachtet habe. Ein kleines Mädchen mit ihrer Mutter an der Kasse. Die Kleine möchte Maoam und auch das Ü-Ei. Die Mutter schon sichtlich genervt meint: „Nur eines. Du kannst schließlich nicht alles haben!“

Tja… wirklich?

Entspricht diese Aussage „Du kannst nicht alles haben“ denn der Wahrheit? Ist es wirklich so, dass das Mädchen nicht beides haben könnte? Maoam und Ü-Ei.

Was hier eigentlich passiert ist, dass die Mutter dem Kind einfach nicht beides kaufen möchte und dann „Du kannst nicht alles haben“ also Ausrede her halten muss.

„Du kannst nicht alles haben“ ist schlicht und einfach der ultimative Diskussions-Beender. Und jetzt gib Ruhe!

Ich möchte hier keinem einen Vorwurf machen. Ich möchte nur aufzeigen, mit welchen Vorbelastungen dieser Satz verknüpft sein kann. Was eigentlich dahinter steht, wenn wir diesen Satz hören.

Auch wenn wir älter werden, begleitet uns dieser Satz. Selbst in der Berufsberatung, im Studium und erst kürzlich, am Anfang meiner Selbstständigkeit als Coach, habe ich diesen Satz gehört. „Du kannst nicht alles haben.“ Also schlag Dir diese Idee am besten aus dem Kopf!

Was hier so perfide ist, ist dass diese Aussage banalste Wahrheit und erdrückenden Irrtum miteinander verwebt.

„Du kannst nicht alles haben“ – banalste Wahrheit

Niemand kann im Kino den neuesten Film ansehen und gleichzeitig in einem Cafe zwei Straßen weiter sitzen. Man kann nicht lebendig und gleichzeitig tot sein. Rote Haare haben und gleichzeitig Schwarze. Es gibt ganz einfach Dinge, die sich in dieser Welt ausschließen. Schlicht und einfach aus Prinzip. Wenn ich gleichzeitig Milliardär, fürsorglicher Familienvater, Liebhaber, Bundeskanzler, Raumfahrer, Unternehmer und Comedian sein möchte, dann könnte es etwas knapp werden. Nicht unmöglich, aber zumindest knapp.

Nur: Jeder weiß das. Niemand muss daran erinnert werden, dass Zeit, Energie endlich sind. Dass wir uns fokussieren und ausrichten müssen, damit wir das erreichen, was wir möchten. Das ist einfach so. Unsere menschliche Energie ist endlich. Spätestens wenn wir abends tot müde ins Bett fallen.

„Du kannst nicht alles haben“ – perfider Subtext.

Was wir durch diesen Satz wirklich lernen, ist doch folgendes: Wir hören „Du kannst nicht alles haben“ immer dann, wenn wir zwei oder mehr Dinge haben möchte, die uns wichtig sind. Die für uns zusammen passen, aber für unser Gegenüber nicht. Da ist es egal, ob Du mit 8 Jahren an der Kasse mit Maoam und Ü-Ei sitzt oder mit Mitte 30 Beruf und Freizeit miteinander verbinden möchtest.

Jedes Mal, stehen wir in einem inneren Konflikt. Es gibt Möglichkeiten, Gefühle, die uns wichtig sind. Die wir erfahren möchten. Und jemand sagt uns: „Du kannst nicht alles haben“. Also lass es bleiben und suche Dir was „richtiges“.

Was wir daraus mitnehmen, ist aber eine etwas andere Aussage. Wir zerreißen uns innerlich fast. Was wir doch eigentlich hören ist: „Du kannst nicht alles haben… was Dir wichtig ist.“ Denn ist es nicht genau das, was eigentlich passiert? Etwas ist uns wichtig. Es ist etwas, das unser Herz verlangt. Berührt. Und dann kommt jemand vorbei und sagt: „Tja… du kannst nicht alles haben.“ Und wir sind zerrissen. POW! Eine Schelle ins Gesicht. Egal ob wir Maoam und Ü-Ei möchten, oder Freizeit und Geld. Liebe und Freundschaft. Gesundheit und Extremsport.

Niemand möchte ‚alles‘

Nur: Niemand will „alles“. Wir alle wollen nur die Dinge, die Gefühle, die Erlebnisse, die uns wichtig sind. Nach denen unser Herz sich sehnt. Nicht mehr und nicht weniger.

Niemand will „alles“. Wir alle wollen nur die Dinge, die Gefühle, die Erlebnisse, die uns wichtig sind. Nach denen unser Herz sich sehnt. Nicht mehr und nicht weniger.

Und da grenzt es an Körperverletzung, von jemandem diesen Satz zu hören. Noch mehr, diesen Satz zu glauben. Denn so begeben wir uns in ein konstantes Feld aus Unglücklich sein. Wir spüren, was unser Herz möchte, aber glauben zu wissen, wir können es niemals erreichen.

In diesem Schmerz bewegen wir uns. So lange, bis wir entweder zerbrechen und klein bei geben, uns fügen, oder aber ausbrechen und endlich das tun, nach dem unser Herz verlangt.

Spürst Du den Unterschied dieser beiden Aussagen? Die eine nicht viel mehr als eine Aussage eines banalen Faktes. Du kannst nicht alles haben. Nicht gleichzeitig im Kino sitzen und im Cafe 2 Straßen weiter.

Die andere Aussage allerdings, zerschmettert unsere Träume. Lässt uns in den Seilen hängen ohne Ziel und ohne Antrieb. Denn für was sollen wir uns denn morgens auf stehen, wenn nicht für das was wir wirklich wollen? Warum überhaupt versuchen, wenn wir doch „nichts davon“ haben können? Niemals das erreichen, nach dem unser Herz trachtet? Das ist es doch, was wir eigentlich glauben, wenn wir diesen Satz hören.

Wie bekomme ich denn mein ‚alles‘?

Der erste Schritt ist die Hoffnung. Ist die kleine, sachte Pflanze, die in uns wächst. Der kleine Sporn, des Zweifels, der an der Schale kratzt. Könnte es sein, dass in diesen Worten hier Wahrheit steckt? Wenn auch nur ein Funke?

Könnte es sein, dass Du alles haben kannst, was Dir wichtig ist? Was immer das auch ist, für Dich persönlich.

Nicht gleich, nicht hier, nicht sofort. Aber über Zeit?

Könnte das sein?

Wäre das möglich?

Kannst Du mit absoluter Sicherheit ausschließen, dass es nicht so ist?

Ist das nicht eine Möglichkeit für die es sich zu kämpfen lohnt? Ist das nicht eine Möglichkeit, für die es sich lohnt, morgens auf zu stehen?

Und Du kannst doch alles haben. Über Pflanzen und Mist.

Ich sehe das so: Wenn vor Deinem Haus ein riesen großer Misthaufen liegt. Und Du bringst nur jeden Tag eine Schaufel davon weg. Dann kann es gar nicht anders sein, als dass dieser Misthaufen immer kleiner und kleiner wird. Egal wie groß dieser Misthaufen momentan ist. Wenn Du nur jeden Tag eine Schaufel davon weg bringst, dann kann er gar nicht anders, als zu verschwinden. Er hat gar keine andere Wahl! Weil DU ihn weg bringst. Schritt für Schritt, Schaufel für Schaufel.

Das selbe, wenn Du jeden Tag einen Samen in die Erde legst. Nur unmerklich. Ganz klein. Ganz sachte. Wenn Du jeden Tag einen Samen in die Erde legst, so kann es gar nicht anders sein, als dass Du nach einiger Zeit in einem blühenden Garten stehen wirst. Vielleicht keimen einige Samen nicht, andere Pflanzen vergehen, aber wenn Du jeden Tag ein wenig pflanzt, ein wenig gießt, ein wenig harkst, dann ist es unvermeidlich, dass Du über Zeit in Deinem eigenen blühenden Garten stehen wirst. Es kann gar nicht anders.

Wenn Du jeden Tag auch nur kleinste Schritte auf Deine Ziele, Deine Träume, Dein ‚alles‘ zu gehst, dann wirst Du dieses Ziel eines Tages erreichen! Es kann gar nicht anders sein! Es muss so passieren.

Vielleicht kannst Du nicht alles haben. Nicht zum Mars fliegen und gleichzeitig auf der Erde bleiben.

Aber wer will das schon?

Wer möchte denn schon alles?

Niemand.

Wir möchten nur das, was uns persönlich wichtig ist. Und das ist das einzige was zählt.

Du kannst also alles haben!

Zumindest alles, was Dir wichtig ist!

Mach was Gutes drauß, mach Dich auf den Weg. Lege jeden Tag einen Samen in die Erde und schaffe eine Schippe Mist weg. Dann wird das schon passen. :)

Alles Gute.

8 Kommentare

  • Sebastian Antworten

    Hallo Matthias!
    Hab diesen Satz auch unbewusst benützt, oder bin mit ihm gelenkt worden. Nun fallen mir einige weitere Beispiele ein wie: „Das Leben ist halt hart, Zuerst die Arbeit dann das Vergnügen, Da must du durch“. Werde ab jetzt meine und die Redewendungen anderer überdenken!!

    • Matthias Antworten

      Hi Sebastian,
      ganz genau! Sehr beliebt auch „Das Leben ist kein Ponyhof“ und „der frühe Vogel fängt den Wurm“. Alles so abgedroschene Halbwahrheiten. Da wirklich mal bewusst durch den Tag gehen ist der erste Schritt :)
      Grüße

  • Sebastian Antworten

    Tippfehler: Da musst Du durch!

  • Johannes Antworten

    Echt Klasse Bericht trifft Vollkommen zu einfach Top

    • Matthias Antworten

      Danke :)

    • Matthias Antworten

      :)

  • Gerd Antworten

    Matthias, was für ein berührender und aufrüttelnder Artikel!
    Hat mich bis zum Schluss gepackt!

    Beste Grüße,
    Gerd

    P.S. Bin dann mal weg, weil ich eine Schauel Mist wegbringen muss! :-)

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